Ein Hauch von Hollywood. Die Dörfer Goult und Lacoste verzaubern auch Stars

Goult ist ein Juwel. Der winzige Ort liegt hinter Wäldern versteckt auf einem Hügel, gut hundert Meter oberhalb der Départementstraße 900 im provenzalischen Vaucluse. Das Ambiente in den mittelalterlichen Gassen ist kaum zu toppen und so wundert es nicht, dass die alten Häuser, die Villen am Hang und die prächtigen Gutshöfe im Umland als Zweitwohnsitz hochbegehrt sind. Filmstars wie Jonny Depp und Vanessa Paradis, Roman Polanski und Emmanuelle Seigner, John Malkovich, der Regisseur Ridley Scott und der Schriftsteller Peter Mayle besitzen in der Umgebung Residenzen und der Modeschöpfer Pierre Cardin verfügt in Lacoste gar über das Schloss des berüchtigten Marquis de Sade.

Der außergewöhnlichen Struktur seiner Gäste ist wohl auch die hohe Dichte traumhafter Restaurants geschuldet, die allein schon den Besuch von Goult rechtfertigen. Man kann sich aber auch einfach nur von dem Zauber der malerischen Plätze und historischen Bauten einfangen lassen, zum Beispiel bei einem Spaziergang auf der Rue de la République an netten kleinen Läden und dem Schloss vorbei zum Gipfel des Hügels, auf dem die „Windmühle von Jerusalem“ über dem gesamten Ensemble thront.

Kulinarischer Genuss setzt gute Beziehungen, eine Reservierung oder Geduld voraus

Ein kurzer Blick in die Bewertungen auf TripAdvisor verdeutlicht den Stellenwert der Gastronomie von Goult. Man isst in allen Restaurants ausgesprochen gut, meist typisch provenzalisch und in der Regel nicht einmal teuer. Absolutes In-Lokal ist aber das Café de la Poste. Innen eigentlich nur ein Bar-Tabac, mit einigen wenigen Tischen, einer Miniküche und einem abenteuerlichen WC, ist die Terrasse an der Place Saint Pierre der ultimative Treffpunkt zum Lunch. Zwischen 12 und 15 Uhr entbrennt in der Saison der Nahkampf um die Plätze, der meist von den ortsansässigen Notabeln (die oft keine Franzosen sind) für sich entschieden wird; man muss eigentlich immer viel zu lange auf die dann doch sehr freundliche Bedienung und das Essen warten, das ausgesprochen lecker und dabei sogar preiswert ist – aber es ist einfach Kult.

Straßenszene in Goult. Foto © cleevesmedia 2013. Zum Vergrößern auf Bild klicken

Straßenszene in Goult. Foto © cleevesmedia 2013.
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Being John Malkovich. In Goult zeigte der Mime, wie das äußerlich geht

Modische Extravaganz gehört zu jedem Star, aber John Malkovich hat dieses Anliegen absolut professionalisiert. Unter dem Label „Technobohemian“ entwirft er seit 2011 seine Bekleidung selbst. Kaufen kann man die wertvollen Stücke auch. Ausgewählte Internetversender bieten unter den Stichworten Celebrity-Fashion oder Capsul, Technobohemian-Kollektionen an. Being John Malkovich wird so zumindest äußerlich möglich – vorausgesetzt, man hat Mut zur Farbe, zu manchmal gewöhnungsbedürftigem Design, zu ausgefallenen Dessins und Kombinationen, die unbedingt einer progressiven Auslegung von Smart Casual bedürfen.

Seine Sommerkollektion hat Malkovich im Juli im Garten des Château de l’Ange in Goult vorgestellt. Auf einer Seite der culturebox des französischen Fernsehens kann man ihn und das défilé seiner Prêt-à porter-Mode, bei dem auch Pierre Cardin zu Gast war, bewundern (http://culturebox.francetvinfo.fr/john-malkovich-presente-sa-collection-dans-le-luberon-139695). Unbedingt auch sehenswert ist das Video des Modeversenders yoox, das Malkovich bei seiner Arbeit als Modeschöpfer zeigt (www.yoox.com/project/johnmalkovich).

Überall gibt es Geschichten …

Auf dem Nachbarhügel von Goult liegt Lacoste. Ein Bergnest mit engen Gassen und malerischen kleinen Häusern aus grauem, verwittertem Kalkstein, die sich an den steilen Hang krallen, von Efeu und Bougainvillen umrankt. Ganz oben überragt die Ruine eines Châteaus den Ort, das aufgebrachte Bürger in der Französischen Revolution geplündert und weitestgehend zerstört hatten. Die Wut rührte damals von Donatien-Alphonse-François, Marquis de Sade her, dessen sexuellen Vorlieben auch die Töchter und Söhne der Dorfbewohner entsprechen mussten, bis de Sade zunächst in der Pariser Bastille und später im Irrenhaus von Charenton sicher verwahrt wurde.

Ein Torbogen in die Altstadt von Lacoste. Foto © Toutaitanous; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Portail_de_la_garde_%C3%A0_Lacoste.jpg [19.11.2013]; CC BY-SA 3.0

Ein Torbogen in die Altstadt von Lacoste. Foto © Toutaitanous; http://commons.wikimedia.org/wiki/File:Portail_de_la_garde_%C3%A0_Lacoste.jpg [19.11.2013]; CC BY-SA 3.0. Zum Vergrößern auf Bild klicken

In den Neunzehnhundertsiebzigerjahren entdeckten erst Aussteiger und Künstler den verschlafenen Ort, und dann kam Pierre Cardin. Gegen ihn richtet sich heute der Unbill der wenigen Einwohner, denn Cardin hat Großes mit dem winzigen Flecken vor. Einmal im Jahr veranstaltet er dort ein Festival, ihm gehören das Château und zahlreiche Häuser, die er aufwändig renovieren lässt und er will, glaubt man den Medien, Lacoste zu einem Saint Tropez der Kultur machen – abseits der Küste aber in jedem Fall wohl très chic und très hip.

Eine weitere relevante Größe im Ort ist die europäische Dépendance des Savannah College of Art and Design. Diese private (und recht teure) Hochschule, mit Hauptsitz im US-amerikanischen Atlanta (Georgia), besitzt ebenfalls zahlreiche Immobilien in Lacoste. In den romantischen Objekten findet für die (meist amerikanischen) Studenten in teils winzigen Seminarräumen und Werkstätten der Hochschulunterricht statt.

… und überall gibt es Geschichte

Da ist zunächst einmal auf dem Hügel von Goult die erstmals im Jahr 1180 erbaute „Moulin de Jérusalem“, die in Erinnerung an die Teilnahme der Herren von Goult an den Kreuzzügen benannt wurde (die jetzige Windmühle wurde um 1750 erstmalig erwähnt und arbeitete bis 1919).

Lange vor den Kreuzrittern zogen schon die Römer entlang des Flusses Coulon durch die Ebene. Sie hatten von 120 bis 118 v. Chr. die Via Domitia angelegt, die Rom mit den spanischen Provinzen verband. Aus dem Durancetal bei Sisteron kommend, führte die Römerstraße an Goult und Lacoste vorbei, über Céreste und Apt nach Cavaillon. Unterhalb von Goult überquerte sie über die Pont Julian den Coulon. Dieses Zeugnis genialer Brückenbaukunst aus dem Jahr 3 v. Chr. befindet sich noch immer in einem exzellenten Zustand und war bis zum Frühjahr 2005 Bestandteil der viel befahrenen D108. Auf den Überresten der Via Domitia führt seit Jahrhunderten einer der Jakobswege nach Santiago de Compostela. Im Bereich des Luberon ist die Route heute zudem hervorragend für Fahrradtouren mit Kindern geeignet. Dem historischen Verlauf der Via Domitia folgt auch die Départementstraße 900.

Die Pont Julien ist eine Bogenbrücke mit Keilsteingewölbe. Ihre Gesamtlänge beträgt 117, ihre Breite knapp 6 Meter. Foto © Jean-Marc Rosier (de/from www.cjrosier.com, www.gordes-immobilier.com); http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Pont_Julien_%28Julian_bridge%29_France,_view_from_west,_by_Rosier.jpg [18.11.2013]. Zum Vergrößern auf Bild klicken

Die Pont Julien ist eine Bogenbrücke mit Keilsteingewölbe. Ihre Gesamtlänge beträgt 117, ihre Breite knapp 6 Meter. Foto © Jean-Marc Rosier (de/from www.cjrosier.com, www.gordes-immobilier.com); http://commons.wikimedia.org/wiki/File:The_Pont_Julien_%28Julian_bridge%29_France,_view_from_west,_by_Rosier.jpg [18.11.2013], CC BY-SA 3.0.
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Dort hinkommen und bleiben

Anreise
Département: Vaucluse
Goult und Lacost liegen auf Hügeln in der Ebene zwischen dem Plateau de Vaucluse und der Montagne du Luberon versteckt, etwas abseits der Hauptverkehrsachse. Von dort aus kann man die Orte nur über kleine Nebenstraßen erreichen:

  • aus Westen von Avignon kommend, auf der D900 in Richtung Apt,
  • aus Osten von der A51/E712 (Gap–Aix-en-Provence) kommend, auf der D4100 über Forcalquier und Céreste weiter auf der D900, rund 20 Kilometer hinter Apt,
  • aus Süden von der D973 (Cavaillon–Pertuis) kommend, auf der D943 über Lourmarin nach Bonnieux und von dort weiter über die D109 (nach Lacoste) oder die D194/D36 (nach Goult).

Unterkünfte
In der Region gibt es sowohl kleine, charmante Hotels, als auch exklusive 5-Sterne-Ressorts mit Spa im wenige Kilometer entfernten Gordes.

Eine perfekte Alternative zu Hotels sind die vielen Chambres d’hôtes, Zimmer mit Frühstück in oft traumhaften Privatobjekten. Meist bieten die Vermieter ihren Gästen zusätzlich ein individuelles Freizeitprogramm oder auch Kurse, wie zum Beispiel Malen oder Kochen an.

Für längere Aufenthalte, Familien oder Gruppen sind die unzähligen Ferienhäuser (Gîtes) am Rande des Luberon erste Wahl. Das Angebot reicht von einfachen, rustikalen Objekten bis hin zu luxuriösen Villen mit Pool.

Weitere Informationen

Allgemein

 Unterkünfte

Restaurants
Die Restaurants der Region mit vielen Bewertungen und Fotos z.B. bei TripAdvisor

Festival in Lacoste
www.avignon-et-provence.com/festival-provence/festival-lacoste/

Fahrradtourismus
http://de.veloloisirluberon.com/ (auf Deutsch)

Wander- und Fahrradkarten
Institut Geographique National, www.ign.fr:

  • Carte randonnée 3142 OT, 1:25.000 (westlicher Luberon inkl. Goult und Lacoste). ISBN: 978-2-7585-1039-0
  • Carte randonnée 3242 OT, 1:25.000 (östlicher Luberon). ISBN: 978-2-7585-0483-2

Lesen
Fast alle Geschichten und Romane von Peter Mayle spielen genau in den Dörfern und Landschaften rund um Goult und Lacoste. Der Schriftsteller hat selbst jahrelang unterhalb von Lacoste gewohnt.

Bonus-Infos

  • Das défilé mit Malkovich in Goult ist auf einer Fanseite als Video verfügbar: www.facebook.com/Malko.Musings (dort Eintrag vom 7. November „défilé“).
  • Alle Technobohemian-Kollektionen auf der Website des Labels: www.technobohemian.it/ (Achtung: vor einigen Links im Store Locator hat mein Virenschutz gewarnt).
  • Für Russell-Crowe-Fans, die sich auf den Spuren des Ridley-Scott-Films „Ein gutes Jahr“ in und um Lacoste bewegen möchten: www.luberonexperience.com/a-good-year/.
  • Ein anderer Film, François Ozons „Swimming Pool“ mit Ludivine Sagnier, wurde nur wenige Kilometer westlich, in und um Oppède le Vieux am Anstieg der Montagne du Luberon verfilmt.

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Alle Angaben ohne Gewähr. Stand November 2013. © www.tom-burger.de

 

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