Himmlisches Shopping. Vom Kaufrausch in provenzalischen Klosterläden

Man erwartet Geduld und die wird gerne erbracht. Himmlisches Shopping ist eben nur dann möglich, wenn die frommen Schwestern und Brüder nicht in ihren Andachten vertieft sind, was dreimal während der gewohnten „Shoppingzeit“ der Fall ist. Dann hilft dem konsumfreudigen Klosterbesucher der Blick auf die weitläufigen Klosteranlagen und meist liebevoll gepflegte Gärten, die Ruhe und Erhabenheit des Einkaufsortes oder aber die Teilnahme an den Gottesdiensten. Danach verlocken Angebote aus klösterlichen Produktionen, die oft von ungewöhnlicher Beschaffenheit und meist von außergewöhnlicher Qualität sind. Und was so den Käufer beglückt, ist für die Ordensgemeinschaften oft die wichtigste Grundlage ihrer Existenz.

Eine starke Marke, zweihundertzwölf himmlische Shops

Zweihundertzwölf Klöster nennt die Website von MONASTIC, der Marke, unter der das Fachwissen der Klöster vermarktet wird; sechszehn sind es allein im Bereich von Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA). Besondere Höhepunkte sind dabei südlich der Linie Mont Ventoux/Montagne de Lure die vier Klöster

  • Abbaye Notre-Dame de l‘Annonciation (département 84/Vaucluse, bei Le Barroux)
  • Abbaye Notre-Dame de-Bon-Secours de Blauvac (département 84/Vaucluse,östlich von Mazan)
  • Abbaye Sainte-Madeleine (département 84/Vaucluse, bei Le Barroux)
  • Monastère Notre-Dame de Ganagobie (département 04/Alpes-de-Haute-Provence, zwischen Sisteron und Manosque oberhalb der Durance).

Wie es sich für eine starke Marke gehört, führt jeder Shop auch Waren der anderen angeschlossenen Klöster. So richtig eindrucksvoll ist das Einkaufserlebnis aber nur dort, wo die Produkte auch entstehen.

Dieser „Werkstattverkauf“ mit höherer Zielsetzung wird zum Beispiel in Sainte-Madeleine du Barroux absolut professionell betrieben. Die „Brüder Kasse“ sind meist mehrsprachig auf ihre Kunden eingestellt, blitzschnell mit dem Barcodeleser und akzeptieren nahezu jede Kartenzahlung. Es ist fast überflüssig zu erwähnen, dass die umfangreiche Palette eigener Produkte auch über das Internet bestellt und in Deutschland angeliefert werden kann. Einen sehr gut sortierten Internetshop bietet auch das Kloster Ganagobie. So praktisch es sein mag, die Produkte auch online zu bestellen, die eigentlichen Höhepunkte des Einkaufens sind dann doch die Klöster selbst. Bei allen Unterschieden in der Ordenszugehörigkeit, der Geschichte und Baustile vereint alle vier, dass sie an den traumhaftesten Stellen der ohnehin atemberaubenden Landschaft der Haute Provence erbaut worden sind.

Le Barroux: Zwei Klöster und ein provenzalischer Traum

Le Barroux. Foto © www.cleevesmedia.de Zum Vergrößern bitte auf das Foto klicken

Le Barroux. Foto © www.cleevesmedia.de
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Der Flecken Le Barroux ist Idylle pur: verschlafen, mit liebevoll gehegten Häuschen, dem exzellenten Restaurant Les Geraniums (das auch über ein Hotel und eine der schönsten Restaurantterrassen der Provence verfügt) und einem alles überragenden Schloss. Als so genannte Sühnemaßnahme für die Ermordung deutscher Soldaten durch Widerstandskämpfer wurde es in den letzten Tagen des Zweiten Weltkriegs durch die Deutsche Wehrmacht in Brand gesetzt. Dem Ort blieb damit die grausame Ermordung unschuldiger Geiseln aus der Zivilbevölkerung erspart. Zehn Tage lang brannte das Gebäude, das inzwischen wieder restauriert wurde und zu besichtigen ist.

Das Restaurant Les Geraniums in Le Barroux. Foto © www.cleevesmedia.de Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Das Restaurant Les Geraniums in Le Barroux. Foto © www.cleevesmedia.de
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Nur wenige Kilometer entfernt kontrastiert der ockerfarbene Sandstein der Abbaye Sainte-Madeleine auf einem kleinen Hügel gegen das meist tiefe Azur des provenzalischen Himmels. In Blickweite davon erheben sich die Klostergebäude der Schwestergründung Abbaye Notre-Dame de l’Annonciation.

Abbaye Sainte-Madeleine
Das heute von sechzig Benediktinermönchen (franz. Saint Benoît) bewohnte Kloster wurde1970 durch den Mönch (und späteren ersten Abt) Gérard Calvet gegründet. In einem halb verfallenen Priorat neben der historischen Kapelle Sainte Madeleine beim Ort Bedoin (am Südhang des Mont Ventoux) begann er mit einem „Experiment der Tradition“: die Mönche befolgten zunächst die traditionelle Liturgie und hielten das Stundengebet auf Latein. 1980 begann der Bau eines neuen Klosters am jetzigen Standort. Die Wahl der Baumaterialien und der romanische, schnörkellose Stil erwecken heute den Eindruck, als würde der Bau schon seit Jahrhunderten ganz selbstverständlich an diesem Platz stehen. Im September 2008 wurde Calvets Gründung in die Benediktinische Konföderation aufgenommen.

Das Kloster verkauft aus eigener Produktion u.a.

  • religiöse Bücher und Postkarten,
  • in der Region hochbegehrte Brot- und Backwaren,
  • exzellente aber hochpreisige Olivenöle (die eigene Olivenmühle kann besichtigt werden),
  • Weine aus eigenem Anbau sowie
  • eine breite Palette von MONASTIC-Produkten anderer Klöster (z.B. auch Bier vom deutschen Kloster Andechs).

Lange vor den Öffnungszeiten sammeln sich Einheimische und Touristen vor dem kleinen Klosterladen, bis die Brüder ihn nach den Stundengebeten wieder öffnen. Nicht nur dem verführerischen Duft aus der Backstube darunter, auch der Präsentation der klösterlichen Köstlichkeiten, provenzalischen Heilkräuter, Balsame und Seifen für müde Pilger ist es schwer zu widerstehen. Und so mögen nicht nur die Mönche an höherer Stelle für die Erfindung von EC- und Kreditkarten, sondern auch die Kunden für den Vorteil einer erweiterten Liquidität danken.

Abbaye Sainte-Madeleine bei Le Barroux. Foto © cleevesmedia Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Abbaye Sainte-Madeleine bei Le Barroux. Foto © cleevesmedia
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Die spirituelle Bedeutung in der Region wird spätestens dann klar, wenn man den Parkplatz am Gipfel des kleinen Hügels erreicht, der sich zwar unaufdringlich in die Pinienwälder fügt, der aber supermarktähnliche Ausmaße hat. Die architektonische Harmonie der Klosterkirche, die gestalterische Reduktion in ihrem Inneren und der einmalige Klang gregorianischer Gesänge in der schlichten Halle mögen zu dieser hohen Akzeptanz beitragen.

Die Öffnungszeiten des Klosterladens sind dem klösterlichen Tagesablauf entsprechend (Stand Juli 2014):
Wochentags von 10:45 bis 11:45 Uhr sowie von 14:30 bis 17:15 Uhr
Sonn- und Feiertags von 9:15 bis 9:45 Uhr sowie von 11:45 bis 12:15 Uhr
Das Kloster im Internet:

Abbaye Notre-Dame de l’Annonciation
Nur zwei Kilometern liegen zwischen beiden Klöstern und so stehen sich die Mönche von Sainte Madeleine und die Nonnen der Schwestergründung Notre-Dame de l‘Annonciation nicht nur in ihrer Ordenszugehörigkeit und dem „Experiment der Tradition“, sondern auch im Arbeitsalltag in den Wein-, Öl- und Obstplantagen nahe.

Blick auf das Kloster Notre-Dame de l‘Annonciation. Im Hintergrund links ragt St. Madeleine aus den Wäldern. Foto © www.cleevesmedia.de Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Blick auf das Kloster Notre-Dame de l‘Annonciation. Im Hintergrund links ragt St. Madeleine aus den Wäldern. Foto © www.cleevesmedia.de
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Die derzeit rund dreißig Nonnen fertigen und verkaufen u.a.

  • Buchbindearbeiten,
  • liturgische Seidenwebereien,
  • Konfitüren, die aus selbst angebauten Früchten in ihrer Kombination einmalig (zum Beispiel grüne Tomaten mit Feigen) und ausgesprochen lecker sind, sowie
  • CDs mit selbst eingespielten gregorianischen Gesängen (eine Kostprobe mit Video kann auf der Website des Klosters abgespielt werden).

Die Öffnungszeiten des Klosterladens (Stand Juli 2014):
Wochentags von 11:15 bis 12:15 Uhr sowie von 14:30 bis 17:15 Uhr
Sonn-und feiertags von 11:30 bis 12.15 Uhr sowie von 15:30 bis 17:15 Uhr
Das Kloster im Internet:
www.abbaye-annonciation.org/

Le Barroux und die Klöster können von der Autobahn A7/E15 und dann weiter nach Osten über Carpentras und weiter auf der Départementstraße D938 in nördliche Richtung erreicht werden.

Die Einsamkeit der Trappistinnen zwischen Mont Ventoux und dem Plateau de Vaucluse

Die Zisterzienserabtei Notre Dame de Bon Secours de Blauvac liegt nur wenige Fahrminuten vom Örtchen Blauvac entfernt, das einem Adlerhorst gleich auf einer Felsnadel thront. Derzeit bewohnen achtzehn Trappistinnen das einsam gelegene Kloster, unter ihnen auch Nonnen aus Großbritannien, Polen, Venezuela und Deutschland. Die Zisterzienser kamen 1816 nach dem Sturz Napoleons wieder nach Frankreich, die Klostergebäude bei Blauvac wurden aber erst 1991 bezogen. Zum Kloster am Pilgerweg nach Santiago de Compostela gehört auch ein kleines Hotel.

Das Kerngeschäft der Nonnen ist die Herstellung von Hostien für die Eucharistie. Sie werden in einer kleinen Fabrik weiß und golden in Durchmessern von drei bis achtundzwanzig Zentimetern gebacken.

In dem Klosterladen werden aber neben den Hostien auch andere Produkte der Nonnen verkauft, z.B.:

  • Essenzen aus Lavendel,
  • lokales Kunsthandwerk, zum Beispiel Krippen und Kreuze,
  • Lätzchen und Handtücher für Babys, aber auch
  • klösterliche Süßigkeiten, wie zum Beispiel guimauves (Marshmallow oder Mäusespeck) in verschiedenen Geschmacksrichtungen.

Die Öffnungszeiten des Klosterladens (Stand Juli 2014):
Montags geschlossen
Dienstags bis samstags von 9:30 bis 12:00 Uhr sowie von 14: 00 bis 17:30 Uhr
Sonntags von 11:45 bis 12:15 Uhr sowie von 14:00 bis 17:30 Uhr
Das Kloster im Internet:

Ein „Must-Go“ himmelhoch über der Durance: Ganagobie

Die Erhabenheit des Ortes lässt Schauer über den Rücken laufen. Das Benediktinerkloster Notre-Dame de Ganagobie liegt allseits von steilen Felsklippen geschützt auf einem schmalen Plateau dreihundertfünfzig Meter über dem Tal der Durance. Es geht auf eine Stiftung des Bischofs von Sisteron im zehnten Jahrhundert zurück und gehörte ab 960 zur Zisterzienserabtei Cluny. Im Laufe der Religionskriege (1562 bis 1592) wurde das Kloster geplündert und die Archive wurden ein Opfer der Flammen. Erst 1891 kehrte mit den Benediktinern Leben in die Ruinen zurück. Die Renovierung und der originalgetreue Wiederaufbau zogen sich mit langen Unterbrechungen bis Ende des vergangenen Jahrhunderts hin. Erst 1992 fanden auch die Restaurierung und der Ausbau des Klosters seinen Abschluss.

Insbesondere die aus dem zwölften Jahrhundert stammenden und in Frankreich einmaligen Bodenmosaike der Kirche sind heute ein Besuchermagnet. Aber auch das monumentale Hauptportal mit einem prachtvollen Tympanon (Dreieck über dem Türsturz als Symbol der Trinität) sind Raritäten der klösterlichen Architektur in Frankreich.

Ein Mosaik im Schiff der Klosterkirche von Ganagobie. Foto © Jochen Jahnke, gemeinfrei. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:F10_39_Prieur%C3%A9_de_Ganagobie.0336.JPG [04.07.20149 Zum Vergrößern bitte auf das Bild klicken

Ein Mosaik im Schiff der Klosterkirche von Ganagobie. Foto © Jochen Jahnke, gemeinfrei. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Datei:F10_39_Prieur%C3%A9_de_Ganagobie.0336.JPG [04.07.20149
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Vom Kloster führt ein Weg bis an den Rand des Hochplateaus, den ein schlichtes weißes Kreuz von weither sichtbar markiert. Von hier aus können bei guter Sicht die mehr als dreitausend Meter hohen Gipfel des Écrin-Massivs, das tief unterhalb verlaufende Durance-Tal und das Bergmassiv Les Trois Evéchés am Rande des Mercantour-Nationalparks bewundert werden.

Die Bibliothek des Klosters befindet sich in fünf Kilometer langen Gängen im Felsmassiv. Hier lagern über hunderttausend Bände, allein die achttausend Bücher aus dem zwölften bis achtzehnten Jahrhundert sind eine begehrte Quelle der Wissenschaft.

Seit 1987 ist die benediktinische Gemeinschaft von Hautecombe hier untergebracht. Achtzehn Mönche leben derzeit in dem Kloster, das auch Gästen Unterkünfte bietet. Haupterwerb ist aber die Produktion und der Verkauf von Seifen, Kosmetika und Salben mit natürlichen pflegenden Zusätzen. Da Ganagobie an einem der bedeutendsten Nebenwege nach Santiago de Compostela liegt, sind zahlreiche Produkte auf die Bedürfnisse ermatteter Pilger abgestimmt. Im Klosterladen gibt es zum Beispiel:

  • Salben zur Massage, gegen schmerzende Füße und müde Beine,
  • belebende und heilende Essenzen,
  • wohlduftende Eaux de Toilette und Parfumes gegen strenge Gerüche sowie
  • dreizehn verschiedene Seifen mit den unterschiedlichsten Kräutern und pflegenden Zusätzen aus der Natur.
    Mein persönlicher Liebling in dieser Seifenauswahl ist die à l’ancienne Verveine, mit einer alten Sorte Zitronenverveine (auch Zitronenverbene oder Zitronenkraut genannt), die sehr angenehm duftend, erfrischend und belebend ist.

Öffnungszeiten des Klosterladens (Stand Juli 2014):
Montags geschlossen
An allen anderen Tagen gelegentlich von 11:00 bis 12:00 (abhängig von der Motivation des „Bruders Klosterladen“), immer aber von 14:30 bis 18:00 Uhr
Das Kloster im Internet:

Das Kloster liegt östlich des Vaucluse oberhalb des Durancetales zwischen den Städten Sisteron im Norden und Manosque im Süden und kann über die Autobahn A51/E712, die Départementstraße D4096 und weiter über eine winzige, steile Zufahrtstraße von Peyruis oder Lurs erreicht werden. Wer Zeit hat, sollte unbedingt die Zitadelle von Sisteron steil oberhalb der Duranceenge und das hübsche Manosque besuchen. Manosque ist der Heimatort des Dichters Jean Giono, dessen Abenteuerroman „Der Husar auf dem Dach“ in der Region spielt. Auch der provenzalische Krimiautor Pierre Magnan hat dort gelebt und alle seine fantastischen Krimis in der Umgebung angesiedelt.

Historische Angaben u.a. nach www.wikipedia.de

Weitere Infos:

Alle Angaben ohne Gewähr. Stand Juli 2014. © www.tom-burger.de

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