Und ewig lockt der Mont Ventoux. Die alte Lust auf Berg

Dirk gewidmet, der mich mit diesem Berg vertraut gemacht hat

Er reckt sich keck fast zweitausend Meter hoch in den provenzalischen Himmel und beansprucht ein Alleinbeachtungsrecht. Und das bekommt der Mont Ventoux auch.

Bei Sonne kontrastiert sein kalkweißes Haupt dramatisch zu dem endlosen van-Gogh-Blau, das sich über die Provence spannt. Bei schlechtem Wetter verschwindet der massige Kegel dunkel und unwirklich in der Wolkenfront. Ganz oben faucht meist ein orkanartiger Wind. Das hat ihm auch seinen ursprünglichen Namen gegeben – Ventosus, der Windige.

Für den Dichter Francesco Petrarca war er der Olymp in der Provence. Seine vermeintliche Besteigung des Berges im Jahr 1336 hat er wortgewaltig beschrieben und sich dabei gehörig selbst inszeniert. Für die Kelten war der Berg Sitz der Windgötter und heute zieht er als Königsetappe der Tour de France Radfahrer aus aller Welt an, die auf den rund dreiundzwanzig Kilometern bis zum Gipfel ihr Ego pflegen. Bei der Tour selbst war wohl oft Epo eine beschleunigende Anstiegshilfe und mit Tom Simpson fand dort 1967 ein erster Fahrer dieser Radrundfahrt durch Amphetamine und Alkohol den Tod. Für Touristen ist „der Gigant der Provence“ schlicht ein Muss. Weiterlesen

Das Gelbe vom Ventoux. Die Renaissance der päpstlichen Safranfelder

Vermutlich brachten Kreuzritter den Safran auf dem Rückweg vom Heiligen Land in das provenzalische Vaucluse. Im 14. Jahrhundert – während des „babylonischen Exils“ der Päpste in Avignon – gewann der Anbau des violetten Krokus (crocus sativus) eine große wirtschaftliche Bedeutung. Die intensive Kultur ernährte im 17. Jahrhundert noch 160 Safranbauern am Fuß des Mont Ventoux, bis der Safran im 19. Jahrhundert schließlich ganz aus der Region verschwand.
Heute findet rund um den Mont Ventoux eine Renaissance für die teuerste Gewürzpflanze der Welt statt. In vier Betrieben wird wieder Safran angebaut, zwei davon können besucht werden: Weiterlesen