Wegweisend. Wandertipps für das Département Vaucluse

Es ist der Duft von Thymian, der berauscht. Klein und krautig wächst er nahezu überall, selbst aus Felsspalten, in denen kaum Sandkörner Halt finden, wuchern dichte Sträucher und lassen jede Wanderung durch die Provence zu einem einmaligen Dufterlebnis werden.

An Möglichkeiten, dies selbst zu erfahren, fehlt es nicht. Ein dichtes und in der Regel gut gekennzeichnetes Wegenetz, exzellentes Kartenmaterial und eine Fülle interessanter Wandertipps sind die Grundlage für Touren aller Schwierigkeitsgrade. Richtig alpin wird es dabei zumindest im Département Vaucluse nur selten und mit dem Mont Ventoux erreicht dort auch nur ein Berg knapp die 2.000er-Marke. Der Höhenzug des Plateau de Vaucluse schwankt zwischen rund 800 und 1.100 Metern Höhe. Der Luberon (Montagne du Luberon) erreicht im westlichen Teil (Petit Luberon) rund 700 Meter, im östlichen (Grand Luberon) eine Höhe von rund 1.100 Metern. Der karstige Untergrund des Vaucluse sorgt allerdings recht häufig für schroffe Felsabbrüche, beeindruckende Schluchten und ein insgesamt anspruchsvolles Wanderrevier.

Zunächst bedarf es der grundsätzlichen Entscheidung darüber, ob man

  • einem der europaweiten Fernwanderwege (Grande Randonnée – GR, Markierung: weiß-roter Balken),
  • einem der regionalen Wanderwege (Grande Randonnée de Pays – GRdP, Markierung: gelb-roter Balken),
  • einem der Département-Wanderwege (Petites Randonnée – PR, Markierung: gelber Balken),
  • nach eigener Wegewahl einer Detailkarte/dem GPS oder
  • Empfehlungen z.B. aus dem Internet oder von Tourismusorganisationen

folgen möchten. Das dünnbesiedelte Vaucluse bietet überraschende Vielfalt und ein sich schnell veränderndes Landschaftsbild.

Es dominieren die Macchie (franz. Maquis, ein Begriff, der auch namensgebend für die sich dort versteckt haltende Widerstandsbewegung gegen die deutschen Besatzer war) und besonders auf dem flachgründigen Böden des Karst der Garigue. Dieser offene, bis zu zwei Meter hohe Bewuchs, ist die Heimat von zum Beispiel Thymian, Rosmarin, Salbei, der hochgiftigen Meerzwiebel, verkrüppelter Steineichen und ausgemergelter Pinien.

Größere landwirtschaftlich genutzte Flächen sind im Hochland mit dem anspruchslosen Lavendel oder der Weizenart Dinkel, sonst mit Wein, Oliven- und Obstbäumen bepflanzt oder werden als Grasland für die Weidewirtschaft genutzt. Das Plateau de Vaucluse ist in Hanglagen bewaldet und wird im Bereich des Plateau d’Albion überwiegend landwirtschaftlich genutzt. Der Höhenzug des Luberon ist bis zum Gipfelgrat bewaldet, der Mont Ventoux bis zur signifikanten weißen Kuppe oberhalb von 1.500 Metern. Im Karst – und dort vor allem auf den Hochplateaus – gibt es abrupte, tief abfallende Einbrüche, die in Deutschland Schachthöhle und in Frankreich Gouffre oder Aven heißen. Einige dieser Höllenschlunde führen bis zu 600 Meter in die Tiefe.

Vor dem Start

Die Fernwanderwege (GR) und die regionalen Wanderwege (GRdP) sind ideal für mehrtägige Wanderungen in Gruppen geeignet. Entlang der Routen kann auf ein gut ausgebautes Netz von Wanderhütten (Gîte d‘etape) zurückgegriffen werden. Natürlich eignen sich diese, i.d.R. gut unterhaltenen Wege auch für Einzelwanderer und für kürzere Touren mit unzähligen Kreuzungen kleinerer, lokaler Wanderwege.

Die Eigenheiten der Landschaft des Vaucluse erschließen fünf regionale Wanderwege (in der Karte orange dargestellt) :

  • Tour du massif d’UCHAUX (51,6 km)
  • Tour du massif des DENTELLES DE MONTMIRAIL (58,1 km)
  • Tour des MONTS DE VAUCLUSE (66,4 km)
  • Sentier historique du MUR DE LA PESTE (28,9 km)
  • Tour des CLAPAREDES  (50,3 km).

Detaillierte Informationen bietet die Website: www.rando84.com/les-sentiers-de-vaucluse/ (auf Französisch, der Google-Übersetzungsmodus liefert aber brauchbare Resultate auf Deutsch).

Die Département-Wanderwege (PR), die teilweise auch thematisch ausgerichtet sind, ergänzen die GR- und GRdP-Strecken häufig auch als Verbindungsachsen zu Dörfern und Städten.

Die topografischen Detailkarten 1:25.000 des Institut Géographique National (IGN), die „TOP 25 et Série Bleue“, sind in Frankreich in jedem Schreibwarenladen für die jeweilige Region erhältlich. Man kann die Karten aber auch online recherchieren und direkt oder mit dem EAN-Code in der Buchhandlung seiner Wahl bestellen. Die Online-Auswahl ist sehr komfortabel (siehe Bild). Das Beispiel Avignon liefert drei infrage kommende Detailkarten, die auf den Folgeseiten mit dem jeweiligen Kartenausschnitt angesehen werden können.

Link: http://loisirs.ign.fr/cartes/randonnee-france.html?dir=desc&ign_serie=5447&order=ign_ordre_plus_consultes

Quelle: © l’Institut national de l’information géographique et forestière (IGN), http://loisirs.ign.fr/cartes/randonnee-france.html?dir=desc&ign_serie=5447&order=ign_ordre_plus_consultes [20.06.2013]

Quelle: © l’Institut national de l’information géographique et forestière (IGN), http://loisirs.ign.fr/cartes/randonnee-france.html?dir=desc&ign_serie=5447&order=ign_ordre_plus_consultes [20.06.2013]

Die „Blaue Serie“ enthält neben den Höhenlinien auch alle weiteren Angeben, die für eine Wanderung unerlässlich sind: Das gesamte Straßen- und Wegenetz bis hinunter zu reinen Fußpfaden, alle gekennzeichneten Wanderrouten, detaillierte Landschaftsinformationen, jedes einzelne Gebäude, Parkplätze und die Standorte aller Gite d’etape. Die Karten sind GPS-kompatibel und i.d.R. sehr aktuell.

Die Qualität von Empfehlungen, vor allem aus dem Internet, muss jeder für sich selber bewerten. Ein Tipp sind die hervorragend und sehr detailliert beschriebenen derzeit elf kurzen Routen (teilweise auch außerhalb des Vaucluse) der Website Provence-Tipp von Au Soleil du Sud: www.provence-tipp.de/Wandern/wandern.htm.

Unterwegs

Das Vaucluse ist dünn besiedelt. Restaurants, Ortschaften oder Einkaufsmöglichkeiten sind oft  sehr weit von dem Verlauf der Routen entfernt. Ein ausreichender Wasser- und Verpflegungsvorrat ist deshalb bei längeren Touren ein absolutes Muss. Dies vor allem in Hinblick auf die im Sommer oft sehr hohen Temperaturen und langen Trockenzeiten. Kleine Quellen und Bachläufe führen in dieser Zeit meist kein Wasser.

Auf einsamen Wegen kann es gelegentlich zu einem Zusammentreffen mit Schlangen kommen. Neben der Kreuzotter gibt es unter anderem die beeindruckend große Eidechsennatter (der König der Provence). Die scheuen, tagaktiven Tiere können bis zu zwei Meter Länge erreichen und haben tief im Rachen sitzende Giftzähne. Die bis zu 80 Zentimeter lange Aspisviper ist ebenfalls tagaktiv. Ihr Gift ähnelt dem der Kreuzotter. Sie hält sich gern unter den dichten Lavendelbüschen auf. Außerdem gibt es in der Provence Skorpione, und, wie überall in unberührter Natur, natürlich auch Wespen, Hornissen und wilde Bienen, die allerdings recht aggressiv sein können. Gefährlich können aber auch Pflanzen sein. So ist zum Beispiel die im Garigue vorkommende Meerzwiebel hochgiftig und sollte in keinem Fall angefasst werden.

Die Wegemarkierungen sind i.d.R. mit dem Pinsel auf markante Bäume, Telegrafen- oder Strommasten, meist aber auf den nackten Fels gemalt. Dies aber relativ verlässlich und kaum zu übersehen.

Übernachtungen

Ideal für Mehrtageswanderungen sind die Gites d’etape geeignet, die in relativ großer Dichte entlang der Hauptwanderrouten zu finden sind. Diese Hütten und Gruppenunterkünfte (tw. bewirtschaftet, tw. mit Küche zur Selbstverpflegung ausgestattet) können z.B. über diese Internetadressen online recherchiert und gebucht werden:
www.gites-refuges.com
www.gites-de-france-paca.com/gite-etape-sejour-definition.html

Zurück zum Ausgangspunkt

Eine Bahnverbindung gibt es im Vaucluse lediglich entlang der Rhône sowie von Avignon nach L‘Isle-sur-la-Sorgue und weiter nach Cavaillon. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, mit Taxen oder mit Bussen zum Ausgangspunkt einer Wanderung zurückzukehren. Die Übersichtskarte zeigt die Bus-Verbindungen und -Linien, sie kann von der Website des Départements geladen werden: (www.vaucluse.fr/2824-transports.htm#par21020 > Emprunter le réseau de cars TransVaucluse > Plan du réseau TransVauculse).

Plan du réseau départemental TransVaucluse

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Alle Angaben ohne Gewähr. Stand Juni 2013. © www.tom-burger.de

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  1. Pingback: Und ewig lockt der Ventoux | Provence Blog by Tom Burger

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